Bericht über das Schulleben in einer staatlichen Schule im Südwesten Englands ("Tavistock")

Um euch und Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich vielleicht etwas mehr unter einem Auslandsaufenthalt vorstellen zu können, möchte ich einen Einblick in das alltägliche Schulleben geben, was ich während meines 3-monatigen Aufenthalts an einer staatlichen Schule im Südwesten Englands ("Tavistock, Devon") kennen gelernt habe.

Alter Teil der Schule Bevor ich in England richtig zur Schule konnte, musste ich, ähnlich wie in Deutschland, erstmal bestimmte Kurse wählen. Dabei musste ich aus fünf Spalten, jeweils bestehend aus fünf verschiedenen Fächern, jeweils ein Fach wählen. Ich hatte nun also in Zukunft zu meiner Überraschung nur fünf Fächer und hätte sogar auf Fächer wie Mathe, Biologie, Physik und ähnliches (welche hier zum Teil ja als typische "Hassfächer" verschrien sind) verzichten können. Zudem war das System der Pausenregelung etwas komplizierter: Abhängig von dem ersten Fach, hat man eine 25-minütige Pause ("Break") nach der ersten oder der zweiten Stunde. Wann man die zweite, 45-minütige Pause ("Lunch" - Cafeteria oder mitgebrachtes Essen) hat, entscheidet dann die 3. Stunde. Dieses "Entscheiden" wann man welche Pause hat, kann an dafür vorgesehen Listen dann eingesehen werden, sodass man den Tag gut planen kann. Nach einer Weile weiß man dann ungefähr, wann man die Pausen hat, und kann es sich in den Stundenplan eintragen.
Der Stundenplan ist auch eine Besonderheit. Es gibt nicht einen, wie in Deutschland üblich, sondern 2 Stundenpläne mit "Week A" und "Week B". Diese wechseln sich immer ab. Somit kommt etwas "Bewegung" in die sonst vielleicht nach kurzer Zeit langweilig wirkenden Stundenpläne, wie man sie hierzulande so kennt.

Normaler Klassenraum (in dem Fall: Business) ausgestattet mit Beamer, Touchboard und Computern Der Unterricht in englischen "public schools", also öffentlichen Schulen, ist ähnlich wie der Unterricht in Deutschland. Der Lehrer steht nicht nur vorne und redet die gesamte Zeit ("Frontalunterricht"), sondern es wird viel mit modernen Geräten wie Beamern, Computern und ähnlichem gearbeitet und außerdem hält jeden Tag ein Schüler ein Referat zu dem gerade bearbeitetem Thema.
Was noch etwas verstärkt zu dem ähnlich in Deutschland bestehenden Konzept hinzukommt, ist die Selbstverständlichkeit von oft mehreren Seiten langen Hausaufgaben, für die normalerweise auch nur ein Tag zur Verfügung steht und das eigentlich in jedem Fach. Diese Hausaufgaben werden zumeist nicht einmal mehr angesagt, sondern es ist eher verwunderlich für die Lehrer am nächsten Tag, wenn jemand mal nicht die Hausaufgaben hat.
Zu diesem vermeintlich (?) strengen Prinzip der vielen Hausaufgaben, ist die "lockere" Handhabung von Verspätungen, genau das Gegenteil. Oft kamen Schüler mit Verspätungen von 15 Minuten oder mehr zum Unterricht, das Brot aus der Cafeteria noch in den Händen, und konnten sich trotzdem ohne Probleme und kommentarlos setzen.
Erwähnt werden muss auch, dass eine normale Schulstunde eine ganze Stunde, also 60 Minuten dauert und diese meist auch voll unterrichtet wird.
Hausaufgabenkontrollen kamen an meiner Schule nie vor, sondern es gab nur 2 kleine Tests in jedem Fach, welche aber als Vorbereitung für die "richtigen" Klausuren im Januar dienen sollen.

sehr gut ausgestattete BibliothekZusammenfassend halte ich das Englische Schulsystem für diejenigen sehr gut, welche schon früh wissen, was sie später einmal machen wollen, da man ja nur 5 Fächer (pro Fach zwei sich jeden Tag abwechselnde Lehrer) wählt. Für mich war es auch nicht zu schwer, sich an das System und den Unterricht zu gewöhnen; auch wenn einem das Englischsprechen vielleicht schwer fällt, so wird einem von den hilfsbereiten Lehrern und Mitschülern gern geholfen.Dabei muss noch angemerkt werden, dass aus meinen und auch aus den Erfahrungen von Bekannten heraus die Engländer nicht sofort so offenherzig wie beispielsweise Amerikaner sind, sondern eher eine gewisse (möglicherweise lang erscheinende) Zeit für Annäherung benötigen, dann aber sehr "warm" und "liebevoll" sind. Wenn man die nötige Geduld für die Zeit des "Aufwärmens" mitbringt, so werden sich sicherlich wunderbare Freundschaften entwickeln können, die auch über große Entfernungen mit viel Liebe gepflegt werden.
Auch meine Gastfamilie wurde mit großer Sorgfalt von der Organisation ("Peter Barnes" - Adresse über "British Council") ausgesucht und es war sehr hilfreich, dass ich nicht der erste ausländische Gast in ihrem Haus war. Sie wussten sehr gut, welche möglichen Schwierigkeiten mir bevorstehen könnten, klärten mich darüber auf und hatten immer ein offenes Ohr. Zudem waren sie zum Beispiel bei Hausaufgaben, so wie "leibeigene" Eltern, sehr hilfsbereit.
Was ich mir am Anfang nicht so richtig vorstellen konnte, war die Eingliederung in die Familie, jedoch bereits nach wenigen Tagen war ich ein Teil der Familie und am Abend saß man zusammen am Tisch und jeder berichtete über Ereignisse des Tages.
Auch die anderen Austauschschüler berichteten mir nut gutes über ihre Familien.
Das einzige was mir an meiner Gastfamilie missfiel, war der Wohnort. Sie wohnten weit entfernt von der Schule, außerhalb eines kleinen Dorfes, was für mich als "Großstadtkind" oft nicht einfach war, da dieses scheinbar idyllische Leben auch viel Einsamkeit bedeutete.
Das führte dazu, dass ich an den Wochenenden keinen Kontakt zu anderen Mitschülern herstellen konnte, da kein Nahverkehr zugänglich war und die Familie den Aktivitäten ihrer Kinder nachgehen musste. (Zwei Söhne im Alter von 12 und 14 Jahren, beide sehr aktiv in ihren Rugby- und Fußballklubs).

Dario Henri Haux, Klasse 11e

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