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Und wie hat es dir in Rom gefallen? Hast du dich mit deiner Gastfamilie gut verstanden? Wie sind die Leute, das italienische Schulsystem, das Wetter, das Essen, haben dir Berlin, deine Familie und Freunde nicht gefehlt? Fragen über Fragen, die ich bestimmt schon hundert mal gehört habe und trotzdem immer wieder gerne beantworte, denn jedes Mal wenn ich in diese wunderschöne Zeit zurückblicke, schlägt mein Herz gleich doppelt so schnell, weil es die schönste meines Lebens war! Ich hatte die Möglichkeit, eine wunderschöne Stadt kennen zu lernen und zu leben, eine Kultur und ihre Traditionen mal auf eine ganz neue Art und Weise zu entdecken, mein Italienisch zu verbessern, neue Freundschaften zu schließen und vor allem habe ich Erfahrungen fürs Leben gesammelt.
Im Unterschied zu vielen anderen Mitschülern habe ich den Austausch selbst organisiert. Gewohnt habe ich bei einer Freundin, die ich im selben Jahr in meinem Osterurlaub in der Toskana kennen lernte und die Schule habe ich über das Internet gefunden und mit Hilfe meiner Italienischlehrerin kontaktiert. Ich hatte das Glück, dass meine zukünftige Schule in Rom erst eine Woche nach meiner Ankunft anfing, sodass ich (natürlich immer mit Reiseführer bepackt) erst mal ein bisschen Zeit hatte, meine neue "Heimat" bei schönstem Sommerwetter zu erkunden. Ich war begeistert und wusste sofort, dass ich mich in diese Stadt verlieben würde!! Mit meiner neuen Klasse lief es genauso gut. Gleich am ersten Tag schloss ich neue Freundschaften und es dauerte nicht lange bis ich mich richtig als Teil der Klassengemeinschaft fühlte. Da ich in meiner Freizeit auch viele AGs und Kurse (Fotoworkshop, Tanzkurs, Caritas- Projekt in italienischen Altersheimen) besuchte, lernte ich auch außerhalb schnell Leute kennen, sodass ich irgendwann viele verschiedene Freundeskreise aufbaute und ich mich teilweise an den Wochenenden gar nicht entscheiden konnte, ob ich nun mit den Einen tanzen gehen, mit den Anderen ein Konzert besuchen oder doch lieber mit meiner "Austauschschülerin" die römischen Bars unsicher machen wollte.
Auch mit meiner Gastfamilie hatte ich riesiges Glück! Ich fühlte mich immer als fester Bestandteil der Familie, wurde nie ausgeschlossen und es baute sich ganz schnell ein großes Vertrauen auf. Außerdem traf man sich jeden Abend zum gemeinsamen Abendessen (das beste Essen auf Erden!), tauschte sich aus und erzählte, was man am Tag so erlebt hatte. Ich fühlte mich einfach nur pudel- wohl und zu Hause. Das Zimmer habe ich mir mit meiner Freundin, der jüngsten Tochter, geteilt und mittlerweile sind wir unzertrennliche Freunde geworden und hören uns selbst jetzt noch, vier Monate nach meiner Abreise, jeden zweiten Tag am Telefon.
Die Schule hingegen entsprach dann aber nicht ganz meinen Vorstellungen und Erwartungen. Vielleicht bin ich auch einfach zu "Gutes" aus Berlin gewohnt, aber so etwas wie Computer, Beamer, OH-Projektoren oder kleine Filme zwischendurch gibt es nicht, mit Arbeitsbögen wird auch kaum gearbeitet und dass Schüler den Unterricht mitgestalten können, gibt es erst recht nicht. Auch Kunst- und Musikräume waren überhaupt nicht vorhanden und für die Chemie und Biologie wurde jeweils nur ein Raum zur Verfügung gestellt. Aber im Vergleich dazu haben mich dafür die Lernbereitschaft der Schüler, das Lerntempo und die Menge des bearbeiteten Stoffes in den vier Monaten sehr positiv überrascht. Ich habe wirklich viel dazugelernt in dieser kurzen Zeit. Aber viel wichtiger finde ich persönlich den Erfahrungswert, den man zurück nach Deutschland nimmt, die Möglichkeit in ein anderes Schulsystem reinschnuppern zu können, einfach mal zu sehen, wie anders Schule sein kann. Übrigens, für Zuspätkommer ist es in Italien auch etwas schwieriger: Zehn Minuten nach Schulbeginn werden die Schultore geschlossen und man hat schlicht weg Pech gehabt und muss 60 Minuten draußen warten und verpasst somit die komplette erste Stunde und muss alles zu Hause nacharbeiten.
Das Wetter war auch einfach nur traumhaft: In 4 Monaten genau 4 Regentage und sonst blauer
Himmel und Sonnenschein. Das perfekte Wetter, um eine Stadt in ihren vollen Zügen zu genießen
und zu erleben! Ich bin einfach nur begeistert und würde es wahrscheinlich immer wieder tun…
Abschließend möchte ich nur noch kurz erwähnen, dass ich mich mit der Sprache jetzt so sicher
fühle, dass ich Italienisch als Leistungskurs wählen und mein Abitur in diesem Fach ablegen werde.
Canan Wahner, Klasse 11e