Prix des lycéens allemands

Was ist der Prix des lycéens allemands?

Dieser Preis wurde im letzten Jahr das erste Mal von Schülern aus ganz Deutschland vergeben. Der Autor des gewählten Buches erhält einen Geldpreis in Höhe von 5.000 €, mit dessen Hilfe der Jugendroman in die deutsche Sprache übersetzt werden kann.

Welche Ziele hat dieser Preis?

Der Prix des Lycéens allemands möchte Interesse wecken an der französischen Literatur, indem die Lebendigkeit und die verschiedenen Stilarten den Schülern nahe gebracht werden, so dass die Motivation zur Lektüre im Allgemeinen steigt.

Welche Bücher stehen zur Auswahl?

Zunächst werden aus dem französischsprachigen Raum fünf Jugendromane vom Institut français ausgewählt. Diese Jugendromane sind im Allgemeinen bereits in Frankreich veröffentlicht und dort mit Erfolg gelesen worden.

Wie nehmen Schüler aktiv daran teil?

Jede Schule kann sich mit einer Schülergruppe für die Jury bewerben. Die Schüler stammen zum größten Teil aus den Klassenstufen 11 bis 13. Sie erhalten die fünf Bücher im Oktober und müssen diese bis Januar gelesen haben.
In diesem Jahr nahmen insgesamt 192 Schulen mit ca. 2700 Schülern aus ganz Deutschland teil.

Wie wird das Buch gewählt?

Es gibt insgesamt drei große Wahlgänge:
Zunächst wählt jede Schülergruppe einer Schule ihren Favoriten. Da eine Zweidrittelmehrheit gefordert ist, kann es mehrere Wahlen innerhalb der Gruppe geben. Außerdem wird ein Schülervertreter der Schule gewählt.
Im zweiten Wahlgang treffen sich alle Schulen eines Bundeslandes und wählen unter denselben Bedingungen den Favoriten ihres Bundeslandes und wieder einen Schülervertreter ihres Landes.
Zum Schluss treffen sich alle Vertreter der Bundesländer auf der Leipziger Buchmesse um dort den Preisträger zu wählen und im Rahmen eines Festaktes den Preis zu verleihen.

Prix des Lycéens allemands 2006
Folgende Romane standen zur Wahl:
Mikaël Ollivier/Raymond Clarinard:
Christophe Lambert:
Anne-Laure Bondoux:
Jeanne Benameur:
Marie-Aude Murail:
E-den
La loi du plus beau
La vie comme elle vient
Une heure, une vie
Simple

Dieses Jahr nahmen zwölf Schüler der Klasse 11e unter Leitung von Frau Steiner und Frau Hinterleitner an diesem Projekt teil. Die Schüler mussten die fünf Bücher innerhalb von 3 Monaten lesen, arbeiteten im Unterricht thematisch an den Romanen mit Collagen, Portraits, Präsentationen, Diskussionen, Rollenspielen etc. Außerdem nahmen sie an einem Nachmittag an einer Lesung von Christophe Lambert teil.
Schnell kristallisierte sich heraus, dass die Schüler der 11e sich zwischen zwei Romanen entscheiden würden, zwischen ‚Simple' und ‚La vie comme elle vient'.
Die Wahl in der Schule wurde von Madame Emile-Besse, der französischen Sprachattachée des Institut français Berlin moderiert und geleitet.

1/7

Mit knapper Mehrheit gewann ‚La vie comme elle vient' und Ulrike wurde zum Landesausscheid am 1. März geschickt.

Auch diese Debatte wurde von Madame Emile-Besse moderiert und die jeweiligen Repräsentanten diskutierten sehr vielschichtig in französischer Sprache, verteidigten die einzelnen Bücher und wählten am Ende ‚Simple' als Favorit für Berlin. Auch hier zeigte sich, dass die oben genannten zwei Bücher von Anfang an zu den Favoriten gehörten. Ulrike kämpfte tapfer für das Votum ihrer Klasse und ließ sich auch in der 2. Abstimmung nicht beirren.
Am Freitag, den 17. März war es dann so weit, sechs Schüler und zwei Lehrerinnen machten sich um 8 Uhr vom Bahnhof Zoo aus auf den Weg nach Leipzig. Nach dreieinhalb Stunden kamen wir auf dem Gelände der Leipziger Buchmesse an. Da die erste Lesung erst eine Stunde später begann, hatten wir alle die Gelegenheit, selbst ein wenig über die Leipziger Buchmesse zu gehen.

Nach der Lesung zweier Autoren . . .


Christophe Lambert (li), Anne-Laure Bondoux (re)

. . . kam dann der große Moment: die Preisverleihung.

Nach mehreren Reden erschien der Schülervertreter der Bundesjury und verlas den Gewinner:

SIMPLE von Marie-Aude Murail

1/4
 

Und auch wenn dieses Buch nicht der gewählte Favorit unserer Schüler war, so kann man doch sagen, dass sie dieses Buch genauso gut als Gewinner akzeptieren konnten, denn auch bei Ihnen war die Entscheidung eben knapp gewesen.

Simple

Die Geschichte handelt von zwei ungleichen Brüdern: Kléber ist der Jüngere und steht gerade kurz vor dem Abitur, Simple ist 23 Jahre alt, aber auf dem geistigen Stand eines Dreijährigen. Das Buch beschreibt wie Kléber sich alleine um seinen geistig behinderten Bruder kümmert um ihm das Leben in einem Heim zu ersparen. So erlebt man die beiden Brüder, wie sie in einer Studentenwohngemeinschaft leben. Marie-Aude Murail erzählt diese Geschichte mit so viel Humor, dass dieses ernste Thema gleichermaßen ernsthaft als auch humorvoll dem Leser nahegebracht wird.

Begründung der Jury

Die Schüler begründeten ihre Wahl damit, dass der Roman das Problem einer sozialen Randgruppe zugleich humorvoll als auch ernstzunehmend thematisiert und sich so um Toleranz in der Gesellschaft gegenüber Geistigbehinderten bemüht.

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